Norwegen Winter 2014
Spektakuläre Aurora und tolle Landschaften
V 1.0.1 vom 01.08.2014 updated 01.08.2014 ©2014

Weil so schön war, das letzte mal in Nordskandinavien, sind wir Mitte März nochmal für ein paar Tage nach Kiruna/Schweden geflogen und haben uns dort einen Volvo Kombi Diesel gemietet. Wir wollten vor allem nochmal nach Norwegen im Winter, um das Land ausserhalb der üblichen Touristenzeiten in Schnee und Eis zu erleben und auch um das Polarlicht (Aurora borealis) erneut zu fotografieren. Das wird wohl in Zukunft stark abklingen, da die Sonne das elektrische Intensitätsmaximum überschritten hat. Die Zahl der aktiven Sonnenflecken ist rückläufig und es gibt sogar Prognosen über Jahrzehnte mit nur noch sehr geringfügiger Aktivität - was aber unsicher ist. Zum grundsätzlichen Vorgehen bei solchen Foto-Winterreisen siehe die vorhergehenden Touren nach Island, Finnmark und Lofoten. Wir haben zu Beobachtungszwecken und auch wegen der utopisch teueren Unterkünfte dort ausschließlich im Auto übernachtet (und Essen im Supermarkt gekauft). Das hat auch den Vorteil, dass man die ganze lange Nacht wunderschön das Polarlicht (Aurora) beobachten und auch gleich fotografieren kann, wenn es auftaucht. Denn trotz Vorhersage der Verteilung der globalen Intensität der Aurora kann man den Zeitpunkt nicht so genau vorhersehen. Das hängt nämlich noch von vielen anderen Faktoren ab, nämlich der Himmelsbedeckung mit Wolken, der Lichtverschmutzung der Umgebung (die Norweger verschwenden leider viel Strom mit extensiver Strassenbeleuchtung) und dem Breitengrad, auf dem sich die Aurora gerade entfaltet. Ausserdem verschlechtert ein heller nördlich stehender Mond die Sichtbarkeit der Aurora, die Mondphase und Mondbahn seien also auch noch beachtet. Je stärker der Teilchenfluß der Sonne, desto weiter nach Süden erstreckt sich der Bogen des Polarlichts. Bei extrem starken Sonnenstürmen kann das Polarlicht gelegentlich sogar in Norddeutschland beobachtet werden. Eine ungefähre Idee zur täglichen Aurorastärke erhält man auch durch die täglich neu von Lesern veröffentlichten Fotos auf Spaceweather.com. Oft hält die Aurora eine Viertelstunde bis mehrere Stunden an, zumindest an Tagen mit hoher Aktivität (Kp-Wert Vorhersage ab 3-4). Die Sonnenaktivität schwankt in einem 11-Jahresrhytmus, der rechnerisch von Anfang 2012 bis Anfang 2014 ein Maximum hatte (das diesmal zweigipfelig ausfiel und deutlich schwächer als 2001).
Landschaftlich besonders gefallen uns natürlich immer wieder die fantastische Fjordlandschaft Norwegens und die spektakuläre Inselgruppe der Lofoten, die wir diesen Winter nochmal besucht haben, weil sich hier erstaunlicherweise diesmal (im Gegensatz zu früher) die wenigsten Wolken bildeten. Fotografisch gesehen bietet Norwegen im Winter viele tolle und touristenfreie Motive, insbesondere das unglaubliche Dämmerungs-Licht mit den vielen zarten Rosatönen und kühlen Blautönen - oft in einem Bild vereint - hat es mir angetan. Im Sommer gibt es dieses Licht nicht, es ist viel schöner als jede Mitternachtssonne.
Als neue Kamera hatte ich diesmal die kleine Sony A7R dabei mit einer Reihe von ausgesuchten manuellen Olympus OM Festbrennweiten (dank Gordon aus dem OM-Labor perfekt entstaubt und neu gefettet), die bekanntlich winzig klein und leicht sind. Einige dieser alten Optiken sind unglaublich gut und überflügeln hinsichtlich Auflösung, Chromafehlerfreiheit und Randschärfe teuere moderne Rechnungen. Moderne Zoomobjektive sind da sogar regelmäßig unterlegen. So auch das recht teure Zeiss-Sony FE 24-70mm f/4, das ich dazu gekauft hatte und vom dem ich enttäuscht bin. Die 24mm sind unbrauchbar, abstruse Verzerrungen gerader Linien, die sich auch in Lightroom nicht vernünftig korrigieren lassen und dazu grauenhafte Randunschärfen. Gut brauchbar ist diese Optik nur von 30 bis 60mm. Darüber läßt sie im ganzen Bildfeld wieder nach. Das Ding habe ich jedenfalls gleich zuhause gelassen, denn ich bin schon ein Pixelpeeper. Dafür hat die Kamera selbst einen unglaublichen Sensor. Eine Grundschärfe, die meine Canon 5D Mark III alt aussehen läßt (man glaubt es nicht, bevor man die Dateeien mit eigenen Augen gesehen hat!). Dazu ein Dynamikbereich, der in Lightroom völlig neue Grading-Möglichkeiten eröffnet. Kein Banding, keine groben Aquarellfarbflecken, wenn man die Tiefen anhebt, wie bei Canon. Es ist allenfalls ein ganz feines Rauschen zu sehen, das sich mit einem mild eingestellten Entrauschfilter leicht beseitigen lässt. Die Files sind jedenfalls erste Sahne und die Kamera wiegt gerade mal gut 400 Gramm! Das geniale Einen krassen Fehler hat die Kamera aber: der Verschluß dieses Modells (nicht der A7!) hat einen so harten Schlag, dass er unter 1/200 Sekunde die Kamera derartig (und zwar auch an einem professionellem Stativ!) verreißt, dass eine Verwischung auf Pixelebene auftritt. Diese ist um so schlimmer, je länger die Brennweite ist. Eigentlich ist die Kamera damit für Telefotos ungeeignet. Zumindest solange man keine strahlende helle Sonne hat und die Belichtungszeit kürzer als 1/250 halten kann, denn ein Stativ hilft hier auch nix.
Dann hatte ich für Annas Videos noch einen Hexakopter gebaut und mit einem brushless Kameragimbal ausgerüstet, das ich zusammengelötet und gebaut hatte. Dieser sehr kompakte und faltbare Kopter hat uns spektakuläre Luftaufnahmen (Fotos und Videos) von besonderen Motiven geliefert. Einige sind im Anschluß auch zu sehen. So ein Gerät zu fliegen und dann noch gute Aufnahmen sicher crashfei wieder runterzubringen ist nicht ganz einfach, v.a. wenn man dutzende Flüge teils unter etwas windigen Bedingungen am Meer macht. Die Story zum Kopterbau und die ersten Testflugaufnahmen findet Ihr auf Annas Possberg-Media Seite. Als Kamera kommt das kleine MFT Modell Panasonic GM1 zum Einsatz, die natürlich wesentlich bessere Bilder und Videos liefert, als die Kameras auf den kleinen fertig käuflichen Quadkoptern. Inzwischen habe ich den Kopter nochmals erheblich umgebaut, daß er mit zwei Fernbedienungen geflogen werden kann und eine 3-Achs-Kamerastabilisierung hat. Da kann der Pilot sich aufs Fliegen konzentrieren und der Kopilot aufs Filmen oder Fotografieren. Dazu erhält der Kopilot eine einfache FPV-Brille, durch die er das runtergefunkte Videobild vom Kopter sehen kann. Das geht wesentlich leichter und die Trefferquote und somit Ausbeute ist bedeutend höher. Als nächstes habe ich noch eine Elektronik vorgesehen, die GPS-Wegpunkte und Steighöhen vor dem Flug per Bluetooth auf den Kopter senden kann, die vorher am iPad auf einer Karte gewählt werden. Der Kopter fliegt dann die Strecke autonom ab, wobei die Kontrolle jederzeit manuell wieder übernommen werden kann. Kopterfotografie ist jedenfalls ein neues und hochinteressantes Gebiet. Leider haben auch unverantwortliche Paparazzi und rücksichtslose News-Reporter diese Technologie für sich entdeckt und somit wird seit Neuestem diese tolle Möglichkeit auch spektakuläre Natur-Aufnahmen zu machen, in vielen Ländern leider einfach verboten.
Eine gute von mir entwickelte Methode, um keine Aurora fotografisch zu verpassen, ist es, jede halbe oder ganze Minute ein langzeitbelichtetes Foto auf dem Stativ automatisch auszulösen (bei der Canon 5D Mark II und III geht das z.B. sehr gut mit der alternativen Software "Magic Latern", die neben vielen tollen Funktionen ein Intervallauslöser bietet, Nikons und Pentaxe haben das z.T. sogar ab Werk eingebaut, für die Sony A7R gibts eine auf die Kamera ladbare App). Dazu ist aber eine starke kältefeste Stromquelle nötig, denn der ganz schwarze Teil der Nacht dauert im März immer noch rund 7-9 Stunden. Ich habe mir einen Akkudummy besorgt (z.B. den hier), der in die Kamera passt. Er wird mit einem aus sechs LiO-Hochleistungs-Zellen (Panasonic NCR18650B mit Lötfahne, eigentlich z.B. für die Notebookproduktion gedacht) selbst zusammengelöteten 7,2V/9,8Ah Industrieakku verbunden, der locker 30 Stunden Dauerbetrieb durchhält und sich im Auto schnell mit einem kleinen Modellbauakkulader wieder laden ließ. Die Kamera kommt dann mit einem Superweitwinkel oder Fisheye auf ein Stativ (mit Spanngurt fixieren, wird sonst im Sturm leicht weggeblasen). Sie wird auf ein interessantes Motiv nach Norden ausgerichtet (der Polarstern hilft hier). Das Ganze wird sicherheitshalber noch mit einem käuflichen SLR-Wetterschutz aus Nylon gegen Regen und Schnee abgedeckt. Ein gutes Anfangssetup für Testbelichtungen bei mittelstarker Aurora ist f2.8, ISO 1600-3200, 20s Belichtungszeit und manueller Fokus auf unendlich. Am besten geht es mit den modernen lichtempfindlichen Vollformat-DSLRs. Je nach Intensität taucht das Polarlicht im Norden auf, wird es stärker, spannte es von NO nach NW. Ist es sehr stark, spannt es von O nach W, direkt über unsere Köpfe. Wenn die Kamera für Fremde im Dunklen nicht zu sehen ist, wird man sie am nächsten Morgen mit vielen hunderten gemachten Fotos dort auch wiederfinden, wo man sie abends aufgestellt hat. Hoffentlich nicht mit vereister Frontlinse oder gar unter einer Schneedecke. Es ist eine interessante Technik, diese Bilder zu einem Zeitrafferfilm zusammenzufügen und auch die interessantesten Einzelfotos zu nutzen.
Ich habe etwa 1600 Fotos (ohne die vielen Zeitraffer- und Kopterfotos) gemacht und davon 120 ausgewählt, die im Anschluß auf 6 Seiten zu sehen sind. Durch Anklicken der Vorschau kommt man zu den ganzseitigen Fotos (1080 Pixel breit), hier kann man auch mit den Pfeilen weiterblättern. Die Fotos enstanden mit meiner Canon 5D Mark III, der Sony A7R und die Flugaufnahmen mit der kleinen Panasonic GM1 mit dem 14mm Pancake, den Brennweiten EF15mm 2.8 Fisheye, EF14mm 2.8 L II USM, EF24mm 1.4 L USM, dem EF70-300mm 4-5.6 L IS USM sowie gelegentlich dem EF400mm 4.0 DO IS USM. Für die Sony kamen die alten manuellen Olympus OM Objektive aus Metall an einem Novoflex OM->Sony E Adapter zum Einsatz. Diese waren alle gebraucht gekauft, zum Teil für wenige Euro aus Ebay und mit vorherigen Testserien als besonders tauglich für die hochauflösende A7R ausgewählt und qualifiziert worden von mir. Favoriten waren hier die OM Brennweiten 18mm f/3.5, 28mm f/3.5, 50mm f/1.4, 90mm Macro f/2, 200mm f/4. Kein Blitzlicht, allenfalls Taschenlampenlicht gewedelt auf den Vordergrund. Dafür wurden häufig mehrsekündige Langzeitbelichtungen mit den hervorragenden B+W ND-Filtern gemacht, besonders wenn Wasser als Motiv im Bild war. Die Entwicklung der RAW-Dateien erfolgte im aktuellen Adobe Lightroom 5.4, eine geniale Software, die ich nur jedem ans Herz legen kann, der seine Fotos besser haben will, als die normalen JPGs, die eine Kamera normalerweise so ausspuckt.

Annas Video folgt sobald fertig

Anna Possbergs Videos
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