Possis Nepal-Reise 1991

V 1.0.7 vom 06.10.96, updated 09.09.04 ©1996


Meine Nepalreise entsprang einem relativ kurzfristigen Entschluß, vorgegeben durch 3 Wochen Urlaub, die im März 1991 noch vor dem Verfall gerettet werden sollten. Damals war gerade die Iran-Krise, und kaum jemand traute sich zu fliegen, daher gab es bei Condor fast geschenkt einen last-minute-Flug, den wir knapp 2 Wochen vorher gebucht haben. Der Flug wurde dann über Russland umgeleitet (wegen Sicherheit im Luftraum), daher hatten wir, meine Freundin (jetzt Frau) und ich, auch die Möglichkeit, die Hauptstadt von Uzbekistan, Tashkent, per Zwischenlandung zu besuchen. Alleine dieser Besuch wäre eine Webseite wert, aber das ist eine andere Sache.
Die Anreise erfolgte natürlich nach Katmandu, der netten, relativ kleinen Haupstadt Nepals. Sie war bei unserem Besuch praktisch frei von Touristen, eine wirklich einmalige Situation. Wir haben uns die ersten zwei Tage in einem alten Hotel eingemietet. Ich hatte gehört, dass man in Katmandu mit etwas Glück auch jemanden findet, der sein Motorrad verleiht. Ich fand sogar zwei, und zur Auswahl stand eine XL125 und eine CM200, eine sehr komfortable Art zu reisen, wie man uns versicherte. Eigentlich wollte ich eher die XL, aber die war nicht in der Lage, zwei Personen und unser Gepäck aufzunehmen, und dann vielleicht noch bergaufzufahren in den dortigen Höhen. Also dann doch die Komfortable. Wir hatten unsere Helme, motorradtaugliche Trekkingschuhe, Schlafsäcke, Isomatten und Motorradweichseitenkoffer dabei. Die CM ist eine Gurke, keine Leistung und noch weniger Fahrwerk. Wir mussten dem Besitzer versprechen, nur auf geteerten Strassen zu fahren. Leider ist die CM im Gelände mit Gepäck und Sozia recht mühsam zu bewegen, aber ich hatte ja große Erfahrung mit dem Bewegen von Straßenmotorrädern auf Geröllpisten.
Unsere Route führte zu den Königsstädten rund um die Hauptstadt und alle ihre Kunstschätze, die wirklich sehenswert sind. Dann nach Nagarkot mit Blick auf 200 km Himalayapanorama bis zum Mt. Everest. Den glutroten Morgen und den Blick von unserer Lodge bei ungewöhlich klarem Himmel werde ich wohl nie vergessen. Von dort ging es Richtung Everest-Basislager, nach Tibet über eine üble Lehm- und Geröllpiste an die Grenze (Lhasa konnten wir aus politischen Gründen nicht besuchen), weiter nach Pokhara im Westen (die Straße war nach starken Regen einige Wochen zuvor fast völlig abgerutscht!), wo man auf nur 800m Höhe zwischen Bananen- und Affenbrotbäumen in dem fantastischen See baden kann, wärend sich dahinter das ewig vereiste über 8000m hohe Annapurna-Massiv auftürmt. Unglaublich! Nach einer heissen Bootstour durch die Stromschnellen von Mugling ging es auf einem offenen LKW nach Süden an die indische Grenze in den Chitwan Nationalpark. Der ist bekannt für wilde Elefanten, indische Tiger, Krokodile und die letzten Exemplare der berühmten Panzernashörner. Zuletzt fahren wir im Süden über sehr ursprüngliche Dörfer wieder zurück nach Katmandu. Die Motorräder (ja, die XL haben wir dann später doch noch mal genommen) haben gut gehalten, sieht man mal davon ab, daß sämtliche Lichter und die Vorderradbremse nicht funktionierten, und daß keine Soziusfußrasten an der XL dran waren, aber wozu braucht man schon solchen dekadenten Kram?

Hier noch ein paar Fotos:

Auf dem Weg in die Himalaya-Berge. Noch haben wir eine gute Straße und nur 1500m Seehöhe.


An sehr vielen Stellen findet man lauschige Tempelchen, wie hier am Stadtrand von Katmandu.


Dieser heilige Mann lebt in Askese. Er verdient sein Geld durch Gaben von Pilgern, die die Kunstücke seines dressierten Äffchens bestaunen. Man gibt den Yogis immer eine Spende. Im Gegensatz zu den Armen betteln sie nicht, jedenfalls nicht gegenüber Einheimischen. Bei Touristen kann der Vorsatz schon mal auf der Strecke bleiben, besonders wenn man fotografiert.


Die berühmte Stupa von Bodhnath, es ist die größte der Welt, ist auf ihrer Kuppel immer schön geschmückt durch die Pilger.


Eine Fahrt nach Nagarkot führt entlang der Kammstraße und gibt Blicke auf den Himalaya-Hauptkamm frei. Dutzende Sechs- und Siebentausender, einige Achttausender sind zu sehen. Die Gegend ist etwa 2000m hoch und wird intensiv mit Terassenwirtschaft genutzt.


Hier sieht man die Reis und Gemüseterassen. Eine unglaubliche Arbeit, das System zu bestellen, zu bewässern und zu erhalten. Seit Jahrtausenden wird das so gemacht. Maschinen haben hier kaum Chancen, Nepal ist auch zu arm dazu.


Das ist der höchste Berg der Welt, der Mt. Everest (8848m). Selten ist das Wetter so herrlich, dass man ihn so frei sehen kann, wie an diesem Tag, ein echter Glücksfall. Rechts der Nuptse (7855m), links der Lothse (8516m).


Der See von Phokara. Ein Kontrast bietet der warme Badesee mit Bananenpflanzen zum über 8000m Annapurnamassiv im Hintergrund.


Der Annapurna IV im Morgenlicht, etwa um 6 Uhr aufgenommen von Pokhara aus. Leider litt ich unter erheblichen Durchfall an diesem Tag und konnte nicht fahren. Obwohl diese hohen Berge von hier etwa 40 km entfernt waren, türmen sie sich dennoch optisch gewaltig auf, weil sie eben so hoch sind. Tags darauf fuhren wir zum Motorradtrekking dort hin.


Am Schluß ging es aber nur noch zu Fuß weiter, die höchsten Siedlungen liegen rund 4500m hoch.


Das indische Panzernashorn ist extrem selten geworden. Im Chitwan Nationalpark, der an Nordindien grenzt, leben die letzten Exemplare. Wir konnten vier der Tiere beobachten. Im Hintergrund, gut 200 km entfernt, der Himalaya-Hauptkamm. Es war der einzige Tag, der so klar war, daß man ihn von hier sehen konnte.


Auf einem Elefanten zu reiten ist ein merkwürdige Gefühl. Dieser wabernde Gang macht einen ganz krank, und im Wasser kriegt man noch eine Dusche, wie ich hier. Für Wildbeobachtung sind die Dickhäuter aber ideal, weil man sich so auch gefährlichen Tieren nähern kann.


Patan, Durban sqare. Die Königsstädte rund um Katmandu sollte man unbedingt besuchen. Man beachte das Gerüst an dem Bauwerk im Hintergrund. Ganz aus Bambus geflochten und mehrere Stockwerke hoch!.


Zurück in Katmandu. Tempel im Zentrum. Die Zeit war viel zu kurz, aber wir haben einen schönen Einblick in dieses herrliche Gebirgsland bekommen. Einerseits ähnlich Indien, aber doch viel kleiner, beschaulicher. Liebenswert.

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