Possi's Tips: Offroad-Fahrtechnik (1)

V 1.0.9 vom 01.03.96, Update 23.01.11 ©1996



Ein paar Tips zu Dingen, zudenen ich immer wieder gefragt werde. Ich bin kein Wettbewerbsfahrer, dazu bin ich viel zu alt, und meine schwächlichen akademischen Arme geben das auch nicht her. Alle Fahrtechniken hier beruhen also auf meiner selbsterworbenen Übung. Da ich auch nie Lust hatte, einen Endurokurs zu besuchen, bin ich infolge falscher Technik unzählige Male hingeflogen. So ein Enduro-Kurs, wie heute überall angeboten, hilft bestimmt, und auch Üben mit der bepackten Maschine auf einer Cross-Strecke ist ein gutes Training. Dort habe ich mit meiner BMW oft die Crosser erschreckt ...

mit Sozia durch die Sahara

Bild: Auch mit Sozia läßt es sich über die Dünen fahren, wenn sie still hält! Libyen, bei Ghat 1991.


Mit Koffern Duenenfahren

Gibt es besondere Techniken?

Ja, das hängt natürlich von Beladung, Maschine und Fahrkönnen ab. Das Wichtigste ist meiner Meinung nach, den Weg "im Kopf" im Vorraus zu fahren. Andere nennen das den Weg "lesen". Wer genau das richtige Tempo hat, kann jedem großem Stein ausweichen, statt kräftezehrend "drüberzurumpeln". Man kann die exakte Linie schon im Kopf entstehen lassen, der Körper samt Motorrad fährt sie dann nach, während im Kopf die Linie weiter vorne immer neu entsteht. So kann man auch jeden "Anlieger" ausnutzen. Völlig falsch ist es dagegen, direkt vors Vorderrad zu kucken, da kann die Linie nix werden, man wird an schweren Stellen zu langsam und kommt schließlich ins Trudeln. Bild: mit Gepäck über den Sand, Südmarokko.

Welche Enduro ist geeignet?

Das ist natürlich fast schon eine philosophische Frage. Ausgrenzen würde ich alle Geräte, die entweder unzuverlässig oder kompliziert sind, die zu schwer sind (über 200 kg, bei tiefem Schwerpunkt evtl. 10% mehr (Boxer), das ist so eine magische Grenze), die eine Verkleidung haben, oder die keine geeignete langhubige Federung haben (wie z.B. die Transalp). Da bleiben nur noch Wenige übrig: die Einzylinder-Enduros von Yamaha, Honda, Suzuki und KTM, die BIG (gute Federung aber schwer und hoher Schwerpunkt!), die BMW R80/100GS-Baureihe und die Honda Afrikatwin (super Gerät, aber mit Verkleidung, früher Probleme mit Luftfilter im Sand). Die neue Single-Kawasaki bin ich nie gefahren und die DR650 ist zwar leicht zu fahren, hat aber ein schwammiges, wenig spurstabiles Fahrwerk (die 96er DR soll viel besser sein). Sowohl die neue BMW-Enduro, wie auch die Tiger und die Supertenere halte ich für nicht geeignet, weil zu kompliziert und zu schwer. Das sind phantastische On-Road-Reisemaschinen. Für ganz scharfe Einsätze sind Sportenduros (aber keine Wettbewerbsgeräte, weil viel zu unzuverlässig und zu wartungsintensiv) vom Schlage LC4, TT und XR am ehesten zu nennen, wobei dann eine starke Beladung strikt zu unterbleiben hat.
Mit der XL350 im Urwald Nordthailands

Welcher Hubraum?

Wer wenig Übung hat, kommt mit einer 350er oder 400er sportlichen Viertakt-Enduro mit Sicherheit am besten im Gelände zurecht, ist wesentlich schneller als mit einer 650er oder gar einem Reisedampfer. Der Motor ist bei niedriger Drehzahl einfach viel leichter zu dosieren. Man kann eben nicht viel aufladen, hat dafür aber den doppelten Spaß im Gelände. Und der niedrige Spritverbrauch garantiert mit einem größerem Tank eine sehr gute Reichweite. Allerdings ist eine ferne Anreise auf vielbefahrenen Schnellstrassen mit so einem "Ding" eine Tortour. Gut dran ist, wer da einen Anhänger hat. Da sind die 600/650er Piloten auch nicht viel besser bedient, nur die Zweizylinderfahrer haben es da bequem. Dafür erfordern speziell die großen Zweizylinder ein gerüttelt Maß an Fahr-Erfahrung, um zügig und sicher im freien Gelände bewegt zu werden. Nach meiner Erfahrung fährt ein Anfänger im Gelände eine 350er nach 2 Tagen besser, als ein schon etwas erfahrener Pilot seine Schwer-Enduro. Bild: im Urwald mit meiner XL350 bei Mae Hon Son, nahe der burmesischen Grenze in Nordthailand.

Wie ist Wüstengelände?

Zu 90% total einfach zu fahren. Die Pisten sind steinig oder kieselig, oft auch leicht sandig. Probleme bereiten die tiefsandigeren Strecken. Ganz selten ist Gelände, wo im Tiefsand Felsen verstreut liegen, was besonders ekelhaft zu fahren ist, weil man nicht mit Gas geradeaus kann. Mit sandigen Spurrillen hat jeder Anfänger so seine Probleme, sie sind auf reinen Sandpisten häufig anzutreffen. Schlimmer ist es, wenn diese Spurrillen sehr weichsandig und tief sind (50cm tief gibts auch gelegentlich, so dass die "Ohren" vom Boxermotor aufsetzen!). Freies offroad-Fahren (ohne Piste) hat den Vorteil, daß man nicht durch Spuren gestört wird, es macht mehr Spaß. Aber auch die wildeste Tour führt zwangsweise immer wieder über irgendwelche Pisten.
BMW sportlich gefahren

Wie fahre ich durch Tiefsand?

Die Luft bis auf 0,9 bar aus dem Reifen lassen, vorne und hinten. Weniger ist riskant, da sich der Reifen-Mantel vorne beim Bremsen, hinten beim Gasgeben gegen die Felge drehen kann. Dann reisst das Schlauchventil ab. Wenn man die Ventilkontermutter nicht gegen die Felge, sondern gegen die Ventilkappe schraubt, erkennt man als Vorwarnung ein schräg rausstehendes Ventil (ist mir bei 0,7 bar am Vorderradreifen schon nützlich gewesen). Dann sofort Luft raus, Reifen ins Tiefbett drücken (Rad muß nicht ausgebaut werden) und wieder gerade einrichten und Aufpumpen. Bei Tiefsand ansonsten gibts nur eins: Gas oder Absaufen. Wenn die Drehzahl sinkt, blitzartig runterschalten und Vollgas. Wenn man im unebenen Tiefsand anfahren will, dann immer nur bergab. Dazu das Motorrad umdrehen, auch wenn es Schweiß kostet. Daher auch nie bergan stehenbleiben! Nie mit dem Hinterrad wühlen, das bringt nur Mehrarbeit beim folgendem Ausbuddeln. Zum Anfahren an extrem weichen Stellen verwende ich folgende Technik: weit nach vorne stellen, Brust ueber den Lenker, und Fußrasten leicht wippend entlasten. Sobald der Reifen Grip bekommt, in den zweiten Gang schalten und mehr Gas geben. Bei starken Maschinen (meine HPN z.B.) kann man auch gleich im Zweiten versuchen, loszukommen. Bild: im großem östlichen Erg, Algerien, Weihnachten 1991.
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