Possi's Algerien-Offroadreise 1991

V 1.1.2 vom 29.09.96, Update am 09.09.04 ©1996


Die Algerientour erfolgte im Dezember 1991 kurz vor den politischen Umwälzungen in Algerien, in deren Gefolge zahlreiche Menschen in Algerien verhaftet wurden und dutzende von Europäern (vor allem Franzosen) durch Mordanschläge islamischer Extremisten ihr Leben ließen. Derzeit würde ich, von einer kleinen Zahl echter Insider mal abgesehen, keinem empfehlen, einfach nach Algerien zu reisen. Der Süden mag weniger problematisch sein, aber was nützt es, man kommt an der Mittelmeerküste an.


Meine Reise-Route führte grossteils voll offroad durch die tollsten Gebiete Algeriens, z.B. den großen östlichen Erg, Erg Bouahret, Plateau du Tinrhet, Djanet, Tassili, Qued Sendilene, Tazat, Erg Admer, Massiv Adrar, Erg Tiodaine (mit den über 300m hohen Dünen), Afara, Fadnoun-Plateau, Illizi, Gräberpiste, Khanmfoussa, Hassi Messaoud.

Daneben haben wir von Fort Tarat aus die Grenze zu Libyen schwarz überquert, um von Ghat aus das Akakus Gebirge zu befahren. Leider fanden das die libyschen Behörden in Ghat nicht so lustig. Mit mühsamen, 2-tägigen Verhandlungen konnten wir gerade noch verhindern, ins Gefängnis gesperrt zu werden. Wir mussten über Tin Alkoum schnellstens wieder ausreisen, ohne das Akakus (das heutzutage über eine normale Libyen-Einreise ohne weiteres erreichbar ist - damals aber ein exotisches Traumziel ohne Touristen war) befahren zu haben. Lediglich von Ghat aus konnte man den Westen dieser Traum-Landschaft von Dünenkämmen aus sehen.

Wer sich für das Akakus interessiert - 1996 habe ich die Gegend legal befahren, der Bericht findet sich an anderer Stelle auf meinen Webseiten.


Hier noch ein paar Fotos:

Beim Einlaufen im Hafen von Algier, November 1991. Eine Stadt durchaus mit kolonialem Charakter, viel europäischer und weniger chaotisch wirkend als andere afrikanische Haupstädte.


Ghardhaia, eine sehr schöne große Oase in eine Senke am Nordrand der Sahara. Das ist der Sitz der ultraorthodoxen Muslim, eine spezielle Sekte, die z.B. von ihren Frauen die Ganzkörperverschleierung verlangt. Nur ein einziges(!) Sehloch für eines der Augen ist gestattet. Ein wirklich gespenstisches Bild in der Altstadt. Leider heute ein Zentrum politischer Extreme und daher aus Sicherheitsgründen absolut tabu für Europäer.


Der Erg Bouarhet, an der Verbindung von In Amenas nach Illizi. Das zweite große Dünengebiet nach der Durchquerung des Grand Erg Orientale auf der völlig verschütteten "Deb-Deb"-Strecke. Die Dünen des Erg Bouarhet sind charakteristisch rötlich, ein unglaublicher Anblick.


Westlich von Illizi führt eine fast unbefahrene Piste durch einen tollen Canyon nach Fort Tarat, das an der Grenz zu Libyen liegt. Hier finden sich zahlreiche Artefakte vergangener Kulturen, wie diese Reibschale.


Die Koloquinten-Kürbisse sehen verlockend aus, sind aber völlig ungeniessbar bitter. Man findet sie nicht nur in der Sahara, sondern ähnliche Arten auch in anderen ariden Zonen wie der australischen Wüste.


Diese Bild meines schweizer Freundes "Obelix" entstand kurz nach der illegalen Einreise nach Libyen bei Tihemboka (da waren wir noch unbehelligt). Der Sand war teilweise so weich, daß das Vorderrad unvermittelt wegsackte und höchste Überschlaggefahr bestand.


Meine damalige Sozia vor der Kulisse des (damals) unerreichbaren Akakus, kurz bevor wir Ghat erreichten und gefangengenommen wurden.


Das Qued Sendilene ist fahrtechnisch nur extrem mühsam über eine verschüttet-tiefsandige Piste zu erreichen, biete aber eine grandiose Landschaft. Hier lebten einige Einsiedler aus Frankreich zwischen den schützenden Felswänden von Viehzucht.


Diese nur alle paar Jahre mal blühenden Wüstengewächse - der lateinische Name ist mir entfallen - sind ganz selten zu sehen. Sie speichen die Energie in Zwiebeln und schießen bei ergiebigem Regen oder nach Überflutung der Wadis innerhalb weniger Tage aus dem Boden, wobei sie gewaltige Kräfte entwickeln. Im Hintergrund der Adrar, der mit 2154m höchste Berg der Region.


Die Kastration der Jungkamele ist ein gefährliches und blutiges Unterfangen, allein das Festhalten und Binden der um sich tretenden Kamele birgt eine ordentliche Verletzungsgefahr. Hier ein Tuareg mit dem französischen "Opinel"-Messer. Ich will den Lesern hier die ganz blutrünstigen Fotos ersparen...


Nachtlager am Erg Tiodaine. Hier habe ich mit etwa 330m meine höchste, wenn auch nicht die allersteilste Düne bezwungen. Der Anlauf in der Ebene mit 140km/h, dann die langsam steiler werdende Auffahrt jeweils mit Zurückschalten, bis nach etwa 2-3 Minuten im ersten Gang der Dünenkamm ereicht wird!


Sandspielchen ohne Gepäck mit Obelix auf den Dünen der Gräberpiste


Abendstimmung im Tassili. Normaden kochen mit uns am offenen Feuer.


Teppichverkauf in der Altstadt von Ghardaia.


Hier gibts noch weitere Bilder.


Für Kenner hier noch die genaue Route:

Algier-Ghardaia-Debdeb-In Amenas-Illizi-H.Tajenout-Fort Tarat-(Libyen)-Tin Abouka-Agaram N'udada-Idinene-Ghat-Trouee Takharkhouri-(wieder Algerien)-Tin Enouar-Djanet-Sendilene-Fort Gardel/Zoutallas-Tazat-Djebel Imerho-Touhoune-Erg Thiodaine-Ifedaniouene-Afara-normale Fadnounpiste nach Illizi-Gräberpiste (normale Route)-Zaouia-Hassi Messaoud-Ghardaia-Algier Counter